In der Ausstellung Mexico 68 präsentiert Heidrun Holzfeind ein politisch beladenes historisches Thema. Sie verbindet hier ihr Interesse an modernistischer Architektur (als sozialer Raum) mit einem historischen Ereignis, der Studentenbewegung von 1968 in Mexiko, die diese Generation geprägt hat. Die Arbeit, die jetzt in De Kabinetten van De Vleeshal ausgestellt wird, besteht aus zwei Teilen und wurde 2007 in Mexiko-Stadt vollendet.
In dem ersten Teil mit dem Titel C.U. zeigt Holzfeind in Doppelprojektion 120 Fotografien der Ciudad Universitaria, dem wichtigsten Campus der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM). Der Campus, der zu den weltweit größten zählt, wurde von den Architekten Mario Pani, Enrique del Moral und Carlos Lazo entworfen und Anfang der 50er Jahre gebaut. Im Jahr 2007 wurde er von der UNESCO als eine der wichtigsten Ikonen der Architektur und des Städtebaus Lateinamerikas zum Weltkulturerbe ernannt. Auf dem Campus wurden modernistische Prinzipien und Werkstoffe wie Stahl und Glas mit Elementen verbunden, die auf die traditionelle mexikanische Architektur verweisen, beispielsweise Mosaike und so genannte Murales (große Wandmalereien). Neben verschiedenen Fakultäten befinden sich auf dem Campus eine Bibliothek, Museen, Theater, U-Bahnstationen und das Olympische Stadion, in dem 1968 die Olympischen Spiele veranstaltet wurden. Holzfeind untersucht mit den Fotografien das Konzept und die Komposition des Campus als moderne Stadt, die Architektur als Basis für einen sozialen Raum.
Für den zweiten Teil der Ausstellung mit dem Titel Mexico 68 interviewte Holzfeind 19 Anhänger der Studentenbewegung und zeichnete diese Gespräche als Video auf. Am Vorabend der Olympischen Spiele von 1968 protestierten Studenten in Mexiko-Stadt gegen das Regime und riefen zu einem Streik auf. Sie besetzten Schulen und Universitäten und gerieten mit dem Militär in Konflikt. Es versammelten sich immer mehr Demonstranten, die politische Unruhe nahm zu und gipfelte schließlich in dem Massaker von Tlatelolco, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt. Militär und Polizei schossen auf die Demonstranten. Unter ihnen befanden sich viele Studenten, die sich dort versammelt hatten. Zahlreiche Demonstranten wurden getötet, andere verhaftet.
Die Interviewpartner betonen die Bedeutung und die Wirkung der Bewegung auf die mexikanische Gesellschaft, Politik und Kultur im Allgemeinen und auf ihr eigenes Leben im Besonderen. Die Gespräche sind persönliche Berichte, politische und soziale Analysen sowie Reflektionen zu den Ereignissen des Jahres 1968. Die Interviews bilden ein einmaliges Dokument, das einen Eindruck von den Leitbildern und Träumen einer Generation vermittelt, die versucht hat, die mexikanische Gesellschaft und das autoritäre Regime zu verändern.
Einige Zitate aus den Interviews:
My father’s arrest was the end of the movement for my family. He was in jail for two and a half years. It was a tragedy. (Hira de Gortari)
I remember to march in through Reforma, the main avenue in the city in the head of the demonstration, crying: “For the people, against the government!” We were many marching, but there were many more in the sidewalks applauding and crying with us. (Marcelino Perelló Valls)
We were in the top of the plaza. There were some ruins on the side so we jumped into the ruins. That’s were I spent most of the shooting. Because in the plaza you were uncovered. They were shooting from everywhere; they were even shooting at themselves because it was a circle. (Carmen Soler)
Heidrun Holzfeind wurde 1972 in Lienz (Österreich) geboren. Sie lebt und arbeitet in New York. Holzfeind studierte in Wien und New York und stellte unter anderem in New York und Mexiko-Stadt aus und nahm an verschiedenen Gruppenausstellungen in ganz Europa teil.
Website: Heidrun Holzfeind

